In Bonn ist eines der größten geographischen Institute Deutschlands zu Hause. An der Universität studieren 1.200 Studenten im Hauptfach Geographie. Zu den wichtigsten Lehrmitteln gehören Fotografien und Karten. Diaprojektor und Kartenständer waren deshalb in den Vorlesungen der 15 Professoren früher unverzichtbar. Tausende Dias, zum Teil jahrhundertealte historische Karten, täglich neue Fotos aus Forschungsprojekten, Satellitenaufnahmen, Folien für Vorträge und Schriften des Institutes sollten digital aufbereitet und in einer zentralen Datenbank verwaltet werden. Studenten und Lehrkräfte brauchten einen Zugang unabhängig von den Öffnungszeiten des Institutes.
Mit Canto Cumulus hat das Geographische Institut der Universität Bonn ein zentrales System zur Verwaltung digitaler Medien geschaffen. Es ist gelungen unterschiedliche Quellen und Arten von Material in einer Plattform zu speichern, zu systematisieren und für alle im Institut verfügbar zu machen. Jeder am Institut kann Fotos und andere Medien über das Internet recherchieren.
Schon in der Schule gehörte zu jeder Geographiestunde eine Wandkarte, die aus einem mehr oder weniger gut sortierten, staubigen Kartenraum geholt werden musste. Nach einigen Schülergenerationen nahm der Anschauungswert sichtbar ab. Einerseits war aus der Karte ein zerfleddertes, ausgeblichenes Leinentuch geworden. Andererseits hatten sich politische Grenzen verschoben. Weltordnungen veränderten sich, Regierungen waren umgezogen, worüber insbesondere Bonn als ehemalige Hauptstadt der Bundesrepublik einiges erzählen kann... Man kann sich also vorstellen, um wie vieles umfangreicher undwertvoller die Bestände der Karten- und Diasammlung eines großen Institutes sind.

Kartenschatz: Mit Cumulus gesichertes Kartenfragment einer Replik von 1667.
Die Aufgabe, vor der Martin Gref, Ingenieur für Kartographie stand, klingt nüchtern: „Realisierung eines zentralen Systems zur homogenen Verwaltung digitaler Medien“. Mit dem Anwachsen des Bestandes an digitalen Bildern, bedingt durch den Einzug der digitalen Fotografie, erwuchs die Notwendigkeit einer sinnvoll strukturierten Verwaltung der Dateien. Parallel dazu änderten sich die Präsentationsformen.
Laptop und Beamer ersetzten Dia- und Overheadprojektoren. Zwangsläufig musste mit dieser Umstellung auch die Diasammlung des Geograpischen Institutes eingescannt werden. 30.000 Bilder - jedes einzelne mit Beschreibung! Aus dieser gewaltigen Aufgabe resultierte auch der erste Kontakt mit Cumulus.
Ende der 90er Jahre war ein A3-Scanner der Firma Heidelberg angeschafft worden, dem eine Single User Version von Cumulus 4 beigelegt war. Tests zeigten das Potenzial dieser Software und verdeutlichten den Wert eines Digital Asset Management Systems.
„Zwei wichtige Kriterien haben den Vorstand des Instituts überzeugt, das Geld für die Investition freizugeben: Ein qualitativ hochwertiger Datenbestand mit aussagekräftigen Beschreibungen und Zugang für alle Angehörigen des Instituts.“
Schrittweise näherte sich das Institut der heutigen, umfangreichen Lösung an. Mit dem Workgroup Starter Kit Cumulus 5 starte 2001 die Pilotphase. Die ersten Kataloge wurden aufgebaut und im Jahr darauf frei gegeben.
Bevor 2006 die Web-Lösung realisiert wurde, machte das Projektteam eine ganz eigene Erfahrung: Der Zugriff auf Cumulus war anfangs ausschließlich von lokalen Computern mit installierten Clients möglich. Das führte dazu, dass die Nutzung durch Studierende deutlich hinter den Erwartungen zurück blieb. Jetzt war man zwar nicht mehr an die Öffnungszeiten der Diasammlung gebunden, dafür aber an die sehr stark frequentierten Arbeitsplätze im Computer-Pool. Dank Cantos „Web Publisher Pro“ recherchieren Studenten für ihre Arbeiten heute von zu Hause über Internet und die Vorteile des Systems kommen klar zur Geltung.
Längst sind auch die 800 Wandkarten, zum Teil mit alten Schätzen aus vergangenen Jahrhunderten, fotografiert und in einen der digitalen Kataloge gestellt.

Eintritt zur Cumulus Datenbank des Geographischen Instituts der Universität Bonn.
„Und die Sache entwickelt sich weiter“, sagt Martin Gref und denkt über weitere Nutzungsmöglichkeiten nach. Nach den Bildern werden mehr und mehr PowerPoint-Folien ergänzt. Auch die mit einem Layoutprogramm produzierten Bände der institutseigenen Schriftenreihe werden bereits in Cumulus archiviert.
Die Übernahme von IPTC-Metadaten, also bildbeschreibender Textinformationen z.B. aus Adobe Photoshop, wird die Arbeit zukünftig weiter erleichtern. Schließlich kommen gerade nach Exkursionen und Forschungsreisen viele neue digitale Fotos hinzu. Wenn diese bereits mit den ergänzenden Informationen versehen sind, lässt sich der Aufwand für das Katalogisieren deutlich reduzieren.

Im thematischen Katalog „Physische Geographie“ sind Exkursionsfotos zu finden.
Für Geowissenschaftler könnte auch die Verwaltung von Geodaten eine interessante Option sein, wozu jedoch die entsprechenden Filter-Module zur Verfügung stehen müssten.
An Canto hat Martin Gref noch drei Wünsche für die Zukunft. Ein Entgegenkommen für Hochschulen bei den Lizenzgebühren:
„Wir sind auf professionelle Lösungen angewiesen und freuen uns, wenn wir von den Softwarefirmen durch günstige Lizenzen unterstützt werden.“
Da man sich für eine eigenständige Implementierung entschieden hatte, fehlte dem Projektteam mitunter ein direkter Ansprechpartner für den Support, der für die Zukunft benannt werden sollte. Außerdem fände er Praxishandbücher über Cumulus hilfreich, so wie sie zum Beispiel vom Verlag Galileo für andere Software herausgegeben werden.
Canto Cumulus hat dem Geographischen Institut der Universität Bonn den Sprung in die digitale Welt erleichtert. Dass niemand mehr vor der Vorlesung in eine staubige Ecke kriechen muss, um eine alte Karte zu suchen, ist dabei nur ein Nebeneffekt. Viel wichtiger ist, dass der wachsende Datenbestand zukunftssicher verwaltet werden kann und für Mitarbeiter und Studierende jederzeit verfügbar ist.